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BVI: Es kann gesegelt werden!  

Wie Phoenix aus der Asche: Die BVI wenige Monate nach den Hurricanes

Als die Hurricanes Irma und Maria Ende September durch die Karibik zogen, hinterließen sie eine Schneise der Verwüstung. Und der Hoffnungslosigkeit. Doch letztere währte nicht lang. Bereits jetzt, nur wenige Monate danach, bauen die Einheimischen nicht nur Häuser, Straßen und Infrastruktur wieder auf. Sie nehmen auch alle Besucher und Segler herzlich in Empfang. Um genauere Informationen über die Situation für Chartersegler nach den Hurrikans persönlich zu erhalten, hat Hartmut Holtmann von Charterwelt KH+P 2-wöchigen Segeltörn unternommen. Mit dabei war Gabi Romberg vom BVI-Tourist Board, die auch die erhaltenen Spendengelder bei dieser Gelegenheit direkt an Betroffene verteilen konnten.

Das Interview mit Hartmut Holtman gibt einen aufschlussreichen, optimistischen und emotionalen Statusbericht.

Wie kamt Ihr auf die Idee, bereits so wenige Monate nach "Irma" in der Karibik zu segeln?

Vor, während und kurz nach den Hurrikans haben die Medien intensiv und teils sensationsheischend über "Irma" und "Maria" berichtet. Im Vordergrund standen die Schadensbilder. Im Fokus stand die Verwüstung, die ein schreckliches Bild der Karibik kurz nach den Hurrikans zeigten.

Unglücklicherweise - und sicher ungewollt - entstand damit gleichzeitig Eindruck, dass diese Destinationen für lange Zeit als Charterziele ausfallen würden. Viele Segler hatten die Karibik für die nächsten ein bis zwei Jahren im Geiste gestrichen. Das war und ist im Netzt zu lesen. Und auch die besorgten Nachfragen unserer Kunden zeugten von großer Skepsis, dass man hier bald wieder hinreisen könne.

 

Solche Bilder wurden rasch nach den Hurrikans von den Medien verbreitet. Die Bilder der fortschreitenden Aufräumarbeiten waren manchem Blatt wohl nicht spektakulär genug.

Uns erreichte - kaum nach dem der erste Schock vorüber war - die glückliche Nachricht, dass bei weitem nicht so ein großes Gebiet betroffen war, wie es zunächst gezeichnet wurde. Und dass die Einheimischen sowie auch unsere Charterpartner mehr oder weniger unmittelbar nach der Katastrophe mit dem Wiederaufbau begonnen hatten. Bereits kurze Zeit nach den Stürmen erhielten wir Bilder und Mitteilungen über erste schnelle Fortschritte.

Positive Nachrichten erreichten uns zunehmend, auch dass bereits ab Dezember dort wieder gesegelt werden könne. Da wollten wir uns persönlich einen Eindruck vor der Situation machen. Traurigerweise wurde von den vielen - kleineren - positiven Entwicklungen in den großen Medien nichts mehr berichtet. Im Internet und in den Sozialen Netzwerken gab es eigeninitiierte Berichte und unsere Freunde und Kontakte vor Ort hatten fast täglich gute Neuigkeiten. 

So beschlossen wir kurzerhand einen Erkundungs- und Solidaritätstörn durchzuführen. Schließlich sind wir seit über 25 Jahren mit unseren Segelevents in der Karibik vertreten und fühlen uns sehr verbunden mit der Region. Darüber hinaus  haben wir diesen Törn mit der Direktvergabe der BVI-Spenden durch Gabi Romberg/BVI Tourist Board verbinden können. 

Wie lange warst Du unterwegs und was ist Dein Gesamteindruck von den BVI?

Gut zwei Wochen waren wir vor Ort. Die Eindrücke waren sehr intensiv. Sowohl von der Zerstörungskraft durch diese immensen Naturkräfte, aber vor allem vom starken positiven Spirit der Bewohner waren wir überwältigt. Völlig überrascht haben uns die schnellen Fortschritte im Wiederaufbau und die rasche Erholung der Natur.

Die Versorgung mit Lebensmitteln ist mittlerweile sehr gut gewährleistet. Supermärkte und Läden sind meist erstaunlich gut bestückt, wenn auch noch nicht ständig an jedem Ort offen. Aber eine gute Planung kann hier vieles ausgleichen. Strom, Wasser und Diesel sind noch nicht in allen Marinas erhältlich. Einige Marinas sind auch noch nicht wieder befahrbar. Dennoch haben wir festgestellt: Bei entsprechender Törnplanung ist dies kein grundsätzliches Problem. Der Eindruck wurde uns von anderen Crews, die wir trafen, bestätigt. Teilweise waren diese - im Gegensatz zu uns - ohne Watermaker und Generator unterwegs. Und waren happy und vermissten nichts!

Was hattet Ihr für ein Schiff?

Eine Bali 4.0 von DREAM YACHT CHARTER. Wir waren ausgestattet mit Solarpanele und Watermaker. Letzteren haben wir aber gar nicht gebraucht. Bei guter Planung ist die Versorgung hier gewährleistet.

Von welchen Stützpunkten welcher Vercharterer kann man wieder starten?

DREAM YACHT CHARTER hat an den Stützpunkten auf Antigua, St. Vincent, Grenada und BVIs insgesamt 31 Monohulls und Katamarane verfügbar und der Betrieb läuft einwandfrei. Hier haben ja auch wir unseren Katamaran bekommen.

THE MOORINGS/SUNSAIL hat an den Stützpunkten auf Tortola, Grenada, St. Lucia und Antigua 39 Monohulls und Katamarane wieder einsatzbereit. Innerhalb von nur 3 Monaten wurde der Stützpunkt von Tortola nahezu vollständig neu aufgebaut. Ein immenser Kraftakt, der sich aber gelohnt hat! 

An der Basis von THE MOORINGS/SUNSAIL in Road Town ist die komplette Versorgung mit Wasser, Strom und Diesel gewährleistet und hilft so der gesamten Region. In dieser Saison sollen nach und nach bis zu 120 neue und repariere Schiffe in die Charter gehen.

Welche Route habt Ihr genommen?

Per Rundflug konnten wir uns einen echten Überblick verschaffen.

Maya Cove - Cooper Island - Leverick Bay - Anegada - Cane Garden Bay - Jost van Dyke (Sandy Spit - Little Bay - Great Bay - Foxy´s - White Bay - Tortola (Soper´s Hole - Nanny Cay Marina - Marina Tortola - Road Town) - Norman Island/ The Bight - The Virgin Gorda - Spanish Town - The Bath - Trellis Bay - Scrub Island - Guana Island - Maya Cove

Impressionen vom Entdeckertörn

Einige beschreibende Momentaufnahmen. Merh Bilder und Kommentare zum Törn sind auf der Facebookseite der Karibik Trophy.

 

Wie sah es in den Häfen bzw. Marinas und Ankerplätzen aus?

Sehr unterschiedlich. Wir möchten hier nichts beschönigen. Trotz der Begeisterung, wie schnell es an einigen Plätzen vorangeht, bieten sich dem Besucher auch traurige Bilder. Mancherorts sind noch starke Beschädigungen zu sehen und zu spüren. Bei großem Baugerät kommt es zu Engpässen. So können havarierte Yachten in den Marinas nur nach und nach geborgen werden, da die Kräne nicht überall gleichzeitig sein können. Genauso verhält es sich mit schwerem Gerät und Fahrzeugen, um Trümmer an Land wegzuräumen bzw. neues Baumaterial herbeizuschaffen. Wasser- und Tankleitungen zu verlegen gehört ebenfalls zu den schwierigeren Unterfangen.

 

Wunderbar zu sehen ist, wie es mit der Versorgung voran geht. Supermärkte, Bars, Restaurants und auch Hotels werden stetig ausgebaut und sind an den meisten Orten nutzbar.
Auch sind die Einheimischen wild entschlossen, es schöner als zuvor zu gestalten. Gab es vormals nur einen kleinen Pfad zwischen Bäumen, so findet man nun, nachdem die umgestürzten Palmen fortgeräumt sind, Plattenwege und Treppen. Mehr noch: Stege werden erneuert, Geländer angebracht, neues Holz erstrahlt mit frischem Anstrich ... Vieles läßt darauf schließen, dass aus der Not eine Tugend gemacht wird und viel Liebe zum Detail in den Neuaufbau fließt.

Dennoch ist noch viel zu tun. Da wollen wir nichts beschönigen. Beschädigte Häuser trüben die Stimmung. Auch sind in einigen Marinas noch Wracks zu sehen und Zufahrten werden von Trümmern erschwert. Die Bojenfelder haben die Stürme i.d.R. gut überstanden. Wir empfehlen, die Festmacherleine zusätzlich per Tauchgang zu überprüfen. Positive Kehrseite: In einige Buchten waren wir fast allein. Zu dieser Jahreszeit eine absolute Rarität in der Karibik.

Gab es Probleme mit der Versorgung? Wasser, Strom, Eis, Lebensmittel, Restaurants?

Bordküche vom Feinsten.

Zu unserer eigenen Überraschung überhaupt gar keine. Wenn man allerdings darüber nachdenkt, dann ist es wiederum logisch. Unmittelbar nach den Hurrikans hatten die Menschen in den zerstörten Regionen erstmal gar nichts mehr. Sie haben sich darum benüht, schnell das Wesentliche wieder herzustellen: Wasser-und Lebensmittelversorgung, soziales Leben, Treffpunkte und Unterhaltung. Davon profitieren natürlich die Touristen. Fast überall hat ein supermarkt oder ein kleiner Laden geöffnet. Und meist findet sich auch eine Bar oder sogar ein Restaurant. Die Gastronomie gehört zur Lebensgrundlage. Den Menschen bleibt nichts übrig als in die Hände zu spucken und den Betrieb wieder aufzunehmen.Und das tun sie mit bewundernswertem Elan.

Stichwort "Kriminatlität". Habt Ihr davon etwas mitbekommen oder gehört?

Nein. Auch die Crews, die wir getroffen haben, haben nichts in dieser Hinsicht berichtet. Die Menschen in der Karibik sind sehr gastfreundlich. Die meisten leben vom Tourismus. Kriminalität käme einem geschäftlichen Selbstmord gleich. Die Menschen arbeiten am Aufbau, damit wieder Besucher ins Land reisen und freiwillig dort ihr Geld ausgeben.

Damit will ich keinesfalls zu Leichtsinn aufrufen - schwarze Schafe git es leider auf der ganzen Welt. Mit der gebotenen Vorsicht und Zurückhaltung ist man vor bösen Überraschungen geschützt. Wenn jemand allerdings meint, seine teuersten Uhren und Schmuckstücke präsentieren zu müssen, setzt sich selbst einem erhöhten Risiko aus. Aber das hat weniger was mit den Hurrikans zu tun, das ist eine generelle Regel, die für alle Reiseländer gültig ist.

Wie geht es den Menschen vor Ort? Wie leben sie?

Es ist wirklich unglaublich, wie die Menschen, die teilweise alles verloren haben, optimistisch sind. Jeder hilft jedem. Es geht zwar teilweise chaotisch und provisorisch zu. Aber mal ehrlich: Irgendwie geht es in der Karibik soch immer etwa chaotisch und provisorisch zu, oder? Die Bar ist zerstört? Ok, bauen wir solange ein Zelt auf und machen damit weiter.Oder das Lobster Festival auf Angegada. Es hat wie gewohnt stattgefunden. Und die Stimmung war großartig! Einheimische, Besucher, Bareboat Yachten, Yachten mit Crew und Besucher aus den US-Virgin Islands und Puerto Rico waren dort und haben gemeinsam gefeiert. Dass der Lobster irgendwann aus ging hat dem ganzen kein Abbruch getan. Lobster sind genügend vorhanden. Jedoch sind viele Boote der Fischer noch nicht wider ersetzt und auch die Fallen sind stark in Mitleidenschaft gezogen. Aber dennoch wurde es ein wunderbares Fest. Vielleicht genau aufgrund dieser Anekdoten.

Ein weiteres gutes Beispiel ist Foxy. Seine Kult-Bar hat einiges einbüßen müssen. Wimpel, Visitenkarten, Bikinis, BHs usw. hat Irma fortgetragen. Dennoch:  Die Bar und Boutique - mit reduzierter "Irma-"Ware"  - sind wieder geöffnet. Foxy himself begrüßt uns, greift zur Gitarre und singt spontan seine Antworten auf unsere Fragen.

Weitermachen, nicht unterkriegen lassen und fröhlich bleiben - das ist die vorherschende Devise. Schön zu sehen ist, wie die Menschen vorankommen und uns überzeugen wollen, ein positives Bild mitzunehmen, damit weitere kommen. 

Wie ist es um die anstehenden Events bestellt?

Sehr gut. Die Trophy im November haben verschieben müssen. Leider und schweren Herzens, aber da wäre noch nichts möglich gewesen. Unsere Kunden reagierten mit größtem Verständnis und haben sich fast vollzählig sofort für den Ausweichtermin in 2018 entschieden. Wir sind sehr dankbar für diese spontane Solidarität. Nichts wäre schlimmer, als wenn diese Events einschlafen würden. Als nächstes steht die Antigua Sailing Week an. Diese wird reibungslos ablaufen können. Ausführlich werde ich darüber auf der boot in Düsseldorf im Januar 2018 berichten.

Ab wann kann oder sollte man die BVI wieder besegeln?

Ab sofort! Das ist eine Empfehlung und Geheimtipp zugleich.

Crews, die häufig abends in einer Marina liegen möchten, Parties und Entertainment suchen, würden wir empfehlen, noch einige Zeit zu warten oder zunächst andere karibische Destinationen zu wählen.

Aber: Crews, die die Natur lieben, gern in Buchten ankern oder an Bojen liegen und die das Segeln durch eine wenig überlaufende, grüne, buchtenreiche Inselwelt genießen möchten, können wir zu unserer eigenen Überraschung bereits ab sofort empfehlen, die BVIs zu besegeln. Wir waren seit 30 Jahren Törns in den BVIs noch nie mit 1-2 Schiffen allein in Buchten wie The Bight oder vor Sandy Cay oder Sandy Spit, und das wird man in Zukunft nicht mehr so oft erleben. Dazu kommt der positive besonders persönliche Kontakt mit Einheimischen, die sich über die ersten Touristen hier sehr freuen und sehr aufgeschlossen und hilfsbereit sind. Bestimmte Ankerplätze, Marinas etc. würden wir derzeit aber noch meiden. Hierüber geben wir gern detaillierte Auskunft und Beratung bei der Törnplanung.

Die Bestätigung unserer Einschätzung bekamen wir von einem jungen Paar, die zu zweit 3 Wochen im November in den BVIs auf einer kleineren Charteryacht unterwegs waren. Sie waren vollends begeistert. Zitat: " Unser schönster Törn seit langem!“. Auch 2 Crews auf Yachten (LAGOON 52) mit Crew (Törnzeit 17.-24.11.) waren sehr zufrieden.

Hintergrund

Hartmut Holtmann und KH+P Yachtcharter veranstalten seit über 25 Jahren Segel-Events in der Karibik. Die größten sind die Karibik Trophy und die Teilnahme an der Antigua Sailing Week. Mit den Partner vor Ort stehen wir in stetigem Austausch. 

Ein detaillierter Törnbericht steht Interessierten auf der Seite von KH+P Yachtcharter zum Download bereit.

Die Teams von Charterwelt KH+P in München und Stuttgart stehen Ihnen mit aktuellen Informationen gern zur Verfügung. Wir beraten Sie bei der Törnplanung in der Karibik - und weltweit.